Mein Kaminofen wird zu heiß. Was tun?
- Mandy Kuhfittig

- 18. Apr.
- 5 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 20. Apr.
TL;DR: Wird der Kaminofen zu heiß, hilft es sofort den Luftschieber zu drosseln und kein weiteres Holz nachzulegen. Häufige Ursachen sind zu viel Brennmaterial, falsches Holz (Nadelholz), defekte Türdichtungen oder ein zu großer Ofen für den Raum. Dauerhafter Überhitzungsbetrieb kann Schamottrisse, Scheibenbruch oder sogar einen Schornsteinbrand verursachen – in letzterem Fall alle Schieber schließen und sofort die Feuerwehr rufen: 112.
Es ist ein gemütlicher Abend, Sie haben den Kaminofen angefacht, doch nach einer Weile merken Sie, dass es im Zimmer unangenehm heiß wird. Der Ofen glüht, die Raumtemperatur steigt und Sie wissen nicht genau, was Sie tun sollen. Die erste Reaktion ist oft: Fenster auf. Das kühlt zwar den Raum kurzfristig ab, aber der Ofen brennt weiter genauso heiß und heizt das Zimmer nach, sobald das Fenster wieder geschlossen ist. Das eigentliche Problem bleibt ungelöst.

Luftzufuhr sofort reduzieren
Die schnellste Maßnahme am Kaminofen, wenn es im Raum zu heiß wird, ist, den Luftschieber zu regulieren. Die Luftzufuhr ist der wichtigste Steuerungshebel beim Kaminofen. Je mehr Luft das Feuer bekommt, desto heißer und schneller verbrennt das Holz. Beim Anheizen ist viel Luft sinnvoll. Sobald das Feuer gut brennt, sollte die Primärluft (der untere Schieber) geschlossen und die Sekundärluft (der obere Schieber) gedrosselt werden.

Die Primärluft strömt unterhalb des Rostes in den Feuerraum. Die Sekundärluft strömt in den oberen Teil des Feuerraumes und ist wichtig für eine saubere Scheibe. Neuere Modelle haben außerdem noch die Tertiärluft, die als vorgewärmte Luft über den Feuerraum in die obere Brennkammer strömt. Dort verbessert sie die Nachverbrennung der Rauchgase, erhöht den Wirkungsgrad und reduziert Feinstaubemissionen.

Ebenso ein Trend bei neueren Modellen ist die Einhandhebel-Bedienung, so dass nur noch der Luftschieber zwischen Anheizen, Betrieb und Geschlossen (Glut) verschoben wird, was wesentlich einfacher zu bedienen ist. Nach der Anbrennphase wird der Luftschieber hier auf die mittlere Stellung (Betrieb) verschoben, so dass ein langsames Verbrennen erfolgt. Im dem Fall, wenn es Ihnen im Zimmer zu heiß wird, brauchen Sie bei solchen Kaminöfen nur den einen Luftschieber auf Mittelstellung drosseln.
Um die Temperatur noch besser zu überwachen, können Sie ein Ofenthermometer benutzen:
(Magnetisches) Ofenthermometer wird auf die Ofenoberfläche geklebt oder magnetisch befestigt. Es misst die Oberflächentemperatur, ist allerdings nur ein indirekter Wert. Empfohlener Temperaturbereich: Herstellerangaben im Handbuch beachten
Abgasthermometer wird am Ofenrohr oder Schornstein befestigt und misst die Abgastemperatur. Es ist genauer, da es direkt am Rohr misst, ob der Ofen zu heiß oder zu kühl läuft.
Empfohlener Temperaturbereich: 150–250°C
Ein Abgasthermometer am Ofenrohr hilft also, den optimalen Betriebsbereich einzuhalten: Bei 150–250°C verbrennt das Holz sauber – darunter schwelt der Ofen und erzeugt Teer und Ruß, darüber droht Überhitzung.
Automatische Abbrandsteuerung für mehr Komfort
Komplett ohne manuelles Nachstellen regeln Kaminöfen mit automatischer Abbrandsteuerung die Luftzufuhr. Dabei gibt es zwei Varianten: eine mechanische Unterstützung per Bimetall-Regler (z. B. Hwam) sowie vollautomatische Systeme mit elektrischem Anschluss (z. B. Hase, Hwam, Austroflamm). Das Prinzip ist sehr einfach: Sensoren messen kontinuierlich die Abgastemperatur und steuern die Luftklappen entsprechend. Das Ergebnis: ein gleichmäßiger, effizienter Abbrand, der weder zu viel noch zu wenig Luft bekommt.
Für den Nutzer bedeutet das spürbar mehr Komfort, einen höheren Wirkungsgrad und ein gutes Gewissen, denn optimal verbranntes Holz schont auch die Umwelt.
Achtung: So lange noch Flammen sichtbar sind, niemals vollständig den Ofen schließen. Das Feuer braucht immer etwas Sauerstoff, sonst entsteht Kohlenmonoxid – ein farb- und geruchloses Gas, das gefährlich werden kann. |
Zu viel Holz aufgelegt
Ein häufiger Fehler ist, wenn der Brennraum zu voll beladen wird. Holzscheite sollten im Ofen höchstens in zwei Lagen liegen. Mehr Brennmaterial bedeutet mehr Hitze – ganz einfach. Die optimale Holzmenge ist in der Bedienungsanleitung Ihres Ofens angegeben. Als Faustregel gilt: Ein guter Kaminofen mit 5 kW Leistung verbraucht etwa 1,5 kg Holz pro Stunde (1,5-2 Scheite Hartholz oder 3-4 Scheite Weichholz).
Der Ofen ist zu groß für den Raum
Es kann aber auch zu Überhitzung kommen, ganz einfach, weil der Ofen zu groß für den Raum konzipiert ist. Viele Käufer greifen beim Kauf zum leistungsstärkeren Modell nach dem Motto „mehr ist besser“. Das stimmt beim Kaminofen leider nicht. Ein überdimensionierter Ofen lässt sich nur schwer auf seine Nennleistung einstellen, ohne dass die Verbrennung leidet und der Ofen rußt.
Moderne, gut gedämmte Häuser benötigen deutlich weniger Heizleistung als ältere Gebäude. Ein Fachmann sollte die benötigte Kilowattzahl anhand von Raumgröße, Dämmung und Fensterflächen berechnen – bevor Sie kaufen.
Denn man kann einen zu großen Ofen nicht einfach „auf klein drehen“. Legt man wenig Holz auf, verbrennt es unvollständig. Das erzeugt Ruß, Teer im Schornstein und mehr Feinstaub. Heizt man normal, wird es zu warm. Es gibt schlicht keinen guten Betriebspunkt.
Nadelholz verbrennt heißer
Fichte und Kiefer sind sehr harzhaltig und entzünden sich schnell, was kurzzeitig sehr hohe Temperaturen erzeugt, höher als Hartholz bei gleicher Menge. Das ist zwar ideal zum Anheizen, aber als alleiniges Brennholz riskant: Temperaturspitzen können den Ofen schnell überlasten. Daher gilt: dünnes Nadelholz zum Anheizen, Hartholzscheite zum Nachlegen.
Defekte Dichtungen lassen Falschluft einströmen
Wenn die Türdichtung des Kaminofens porös oder beschädigt ist, strömt unkontrolliert Luft in den Brennraum. Dadurch wird das Feuer ungewollt stärker angefacht. Sie können die Dichtung einfach prüfen: Klemmen Sie ein Blatt Papier in die geschlossene Ofentür. Lässt es sich leicht herausziehen, ist die Dichtung nicht mehr dicht und sollte ersetzt werden.
Es kann auch bei sehr preiswerten Öfen sein, dass die Türen sich verzogen haben durch Einpunkt Verschluss, dünnere Materialstärken oder Überhitzung. Hier ist leider nicht mehr viel zu machen, da die Dichtungen das nicht mehr ausgleichen können.
Der Schornsteinfeger hat den Ofen abgenommen. Warum passt er dann nicht?
Das ist eine berechtigte Frage. Die Antwort: Der Schornsteinfeger prüft Sicherheit, nicht Raumeignung. Seine Abnahme bedeutet, dass der Ofen korrekt installiert ist, der Schornstein richtig zieht, die Abgaswerte stimmen und die Abstände zu brennbaren Materialien eingehalten sind. Das ist sein gesetzlicher Auftrag – mehr nicht.
Ob die Kilowattzahl des Ofens zum Wärmebedarf des Raumes passt, ist keine behördliche Prüfpflicht. Daher kommt es auf die Beratungsqualität beim Kauf an. Wer online oder im Baumarkt kauft, bekommt diese Beratung oft nicht.
Wann wird es gefährlich?
Ein dauerhaft überhitzter Kaminofen kann gefährlich werden. Folgende Schäden können entstehen:
Verformung der Rauchleitplatte und der Schließmechanismen
Risse in den Schamottsteinen (dem feuerfesten Innenmaterial)
Bruch der Sichtscheibe durch thermischen Stress
Im schlimmsten Fall: ein Schornsteinbrand durch zu hohe Abgastemperaturen
Achtung: Wenn Flammen beim Öffnen der Brennraumtür bis in den Abzug schlagen, beenden Sie den Betrieb sofort, indem Sie alle Klappen auf Mittelstellung schieben, den Aufstellraum durch offene Fenster oder Türen runterkühlen, um die Temperatur des Ofens leichter aufzunehmen. Lassen Sie anschließend den Ofen von einem Fachmann prüfen. |
Tipp: Was sollten Sie also unternehmen, wenn die Zimmertemperatur zu heiß wird?
Sofort:
Sekundärluftschieber drosseln (aber nicht ganz schließen)
Kein weiteres Holz nachlegen
Fenster kurz öffnen um den Raum zu kühlen — nur eine kurzfristige Lösung
Beim nächsten Mal:
Holzmenge reduzieren
Sauerstoffzufuhr besser regulieren
Türdichtung am Kaminofen auf Verschleiß prüfen
Was tun im Ernstfall?
Keinen Feuerlöscher benutzen
Ein Kaminofen ist eine geschlossene, kontrollierte Feuerstätte – kein Notfall per se. Ein Feuerlöscher ist für unkontrollierte Brände außerhalb des Ofens gedacht. Pulver oder Schaum im Brennraum würden die Schamottauskleidung, Dichtungen und den Schornstein dauerhaft beschädigen. Außerdem entsteht beim Einsatz im geschlossenen Raum eine gefährliche Staubwolke.
Luftzufuhr komplett schließen NUR wenn der Schornstein brennt
Normalerweise sollten Sie die Luftzufuhr niemals vollständig schließen wegen der Kohlenmonoxid-Gefahr. Die einzige Ausnahme: Wenn der Schornstein zu brennen beginnt. In diesem Fall schließen Sie sofort alle Schieber komplett, um dem Feuer im Schornstein den Sauerstoff zu entziehen, und rufen gleichzeitig die Feuerwehr. Das ist die einzige sinnvolle Sofortmaßnahme, bevor Hilfe eintrifft.
Wann die Feuerwehr rufen – 112
Rufen Sie sofort die Feuerwehr, wenn:
Flammen oder Rauch oben aus dem Schornstein austreten
Das Ofenrohr oder der Schornstein sichtbar rot glühen
Sie ein Brausen oder Pfeifen im Schornstein hören, ein typisches Zeichen für einen Schornsteinbrand
Rauch aus Wänden oder Decke im Haus austritt
Sie die Situation nicht mehr einschätzen können
Achtung: Ein Schornsteinbrand lässt sich nicht selbst löschen. Verlassen Sie das Gebäude und überlassen Sie das Löschen der Feuerwehr. |







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